Behörden, Behörden und klar, noch mehr Behörden

Behörden, Behörden und klar, noch mehr Behörden

Autokauf und…klar:  Behörden

Die erste Behördenerfahrung machen wir, als wir den Autokauf planen. Ohne eine Fiscal-, bzw. Steuernummer geht da gar nichts. Wir begeben uns also zum Finanzamt und dort erhalten wir relativ schnell, ohne Probleme und Kosten, eine Steuernummer.

Beim Autokauf bekommen wir einen vorläufigen Fahrzeugschein (Ein vom Händler ausgefüllten DIN A 4 Zettel). Der Händler hat für uns bei der Zulassungsstelle einen Fahrzeugschein beantragt – online. Zugestellt wird dieser per Post. Dauer: um die 4 Wochen. Nach 8 Wochen warten wir immer noch. Da muss doch irgendetwas schief gegangen sein? Ich frage beim Händler nach. Ob er sich bitte mal schlau machen könnte? Und prompt bekomme ich seine Antwort: Der Brief konnte nicht zugestellt werden und ist an die zuständige Behörde in Lissabon zurückgesandt worden.

vorläufiger Fahrzeugschein

Aber wir könnten gerne in Nazaré zur Registo (Zulassungs- bzw. Registrierstelle) gehen und dort um erneuten Versand bitten.

Puh, das auch noch. Am nächsten Tag mache ich mich auf dem Weg. Die Behörde nennt sich Conservatoria do Registo Civil. Aah, daran bin ich schon ein paarmal vorbeigelaufen, hatte immer gedacht, dass es sich um eine Musikschule handelt J.

Vor der Tür stehen schon ein paar Leute. In Coronazeiten darf immer nur einer zurzeit rein. Wenn sich dann die Tür öffnet, stürzen sich immer ein paar Leute auf die nette Dame und stellen ihre Fragen, holen sich vielleicht auch einen Termin? Ich schau mir das an und beim 2. Mal stürze ich mich auch auf sie: Fala inglés? Sprechen sie Englisch? Einer der ersten Sätze, die wir hier in Portugal lernten. Ich erkläre ihr unser Problem, sie wiederum gibt es an einen Kollegen weiter und ich habe Glück, wir benötigen keinen Termin, der Kollege kann sich gleich um mich kümmern. Ich zeige ihm die Email vom Händler. Alles kein Problem. Er schreibt eine Mail an die Behörde in Lissabon und wenn der Schein denn bei ihm eingetroffen ist, ruft er uns an. Kann eine Woche dauern. Nun gut, es hat drei Wochen gedauert, aber jetzt haben wir ihn!

So, jetzt könnten wir mit dem Auto endlich nach Deutschland fahren. Wenn nicht schon Spätherbst und Corona nicht wäre. Wir peilen das nächste Jahr an. Aber auch das ist nicht so einfach. Das Auto muss einmal im Jahr zum TÜV. Und wir können erst 3 Monate vor Ablauf den TÜV verlängern. Und da war doch noch etwas? Ja, Kfz.-Steuer müssen wir auch zahlen. In Portugal bekommt man dafür keine Rechnung vom Finanzamt und einen Abbuchungsauftrag gibt es auch nicht.  Aber: Es gibt online eine Möglichkeit. Man kann sich bei acesso.gov.pt. registrieren und hat dann Einblick in seine offenen Rechnungen und es soll dann auch möglich sein, die Kfz.-Steuer (ca. 58 Euro im Jahr für unser Auto) zu überweisen. Das wäre doch etwas für uns, denn wenn der Betrag fällig ist, dann sind wir in DE. Und zu spät zu zahlen ist hier fast noch schlimmer, als bei uns in DE.

Also fange ich an, mich auf der Seite zu registrieren. Puh, alles auf Portugiesisch. Das wird mühsam. Aber schließlich bin ich durch und erhalte die Meldung: Die Geheimnummer wird per Post zugestellt. Oh Mist, dass haut doch sicher nicht hin, ich hatte unsere deutsche Adresse angegeben, so wie sie auch bei unser portugiesischen Steuernummer hinterlegt ist. Dumm gelaufen. Und nun? Ich mache mich wieder auf zum Finanzamt. Eigentlich bräuchte man neuerdings einen Termin, um vorgelassen zu werden. Ich stelle mich dumm, es wartet eh nur ein Portugiese vor mir und als er das Gebäude verlässt, schummle ich mich einfach rein. Auch hier habe ich wieder Glück, es ist gleich jemand für mich da. Ich erkläre das Problem, welches letztendlich keines ist, denn ich bekomme vor Ort den Zugangscode. Muss ein Formular unterschreiben und kann mich anschließend zu Hause bequem am PC einloggen.

Tja und etwa eine Woche später erhalte ich Nachricht von unserer Freundin: bei ihr liegt ein Brief aus Portugal, könnte wichtig sein, verstehen tut sie jedoch nur Bahnhof, ist alles auf Portugiesisch geschrieben. Da ist doch glatt unser online beantragter Freischaltcode in DE angekommen. Alle Achtung, damit hätten wir nun nie gerechnet.

Portugiesisch lernen wäre doch nicht schlecht

Durch einen Segler, der hier in Nazaré schon länger mit seinem Schiff liegt, erhalten wir den Tipp, uns in der öffentlichen Schule in Sao Martinho do Porto zu einem kostenlosen Sprachkurs für Ausländer anzumelden. Der Ort liegt nur 10 km weiter südlich, ist also leicht mit dem Auto zu erreichen.

Wir wollen uns dort auf die Liste setzen lassen. Sollte doch einfach sein, oder? Aber da haben wir falsch gedacht. Portugiesen lieben die Bürokratie und Formulare. Ich bekomme schon mal 4 Seiten mit, dazu einen Zettel, zu welchen Behörden wir in Nazaré müssen.

Denn: wir benötigen nicht nur die Steuernummer, nein wir benötigen auch noch eine Bescheinigung, dass wir in Nazaré wohnen. Tun wir ja auch eigentlich, wenn auch auf unserem Schiff. Also machen wir uns auf zum Rathaus, nur um zu hören, dass wir einen Termin benötigen. Eine Woche später stehen wir dort wieder vor der Tür. Wir bekommen einen englischsprachigen Beamten zugewiesen. Erklären ihn, dass wir das Dokument benötigen, um zu Schule gehen zu können. Die angegebene Adresse SY Tanamera im Hafen von Nazaré wird akzeptiert und nach eine halben Stunden und 35 Euro ärmer sind wir im Besitz eines Certificado de Registo de Cidadao da Uniao Europeia. Aber das ist ja noch nicht alles, wir müssen noch ins Nachbargebäude und uns dort ein Atestado de Residencia holen. 

So, jetzt geht es wieder zur Schule, wir haben alles zusammen, um endlich auf die besagte Liste zu kommen. Ach ja, ein Passbild wird auch noch verlangt. Was tut man nicht alles, um portugiesisch zu lernen.

Das Ende vom Lied? Covidzeiten. Neue Regelungen. Wir bekommen zwei Wochen später eine Email, dass wir zwar immer noch schön auf deren Liste stehen, zurzeit aber keine Möglichkeit besteht, einen Kurs zu besuchen. Grrrrrrrr.

Und darauf brauchen wir jetzt einen Ginja, ein Art Likör, saulecker

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