Nazaré – werden wir etwa sesshaft?

Nazaré – werden wir etwa sesshaft?

Mit dem Auto unterwegs – Santaré

Dody hat ein Auto. Das ist schön. Nur können wir ja nicht alle Naslang fragen, ob sie uns irgendwo hin fährt. Wir wollen auch eins! Und so schwer ist es dann gar nicht, in Portugal ein Auto zu bekommen, wenn man denn weiß, was man alles zu beachten hat. Viel ist es eigentlich nicht. Als erstes gehen wir zum Finanzamt und holen uns eine Steuernummer. Das ist kostenlos. Erste Hürde geschafft. Jetzt fehlt das Auto. Online gibt es zwei Seiten so ähnlich wie Ebay Kleinanzeigen (olx.pt und custojusto.pt). Dort melden wir uns an und schwupps, erhalten wir schon mal eine Auswahl an Fahrzeugen.

Die Kontaktaufnahme der Käufer erweist sich dann aber doch etwas schwierig. Ich schreibe und frage nach – auf Portugiesisch, dank Deepl Übersetzer. Nur, eine Antwort kommt selten. Anrufen können wir vergessen, portugiesisch können wir nicht. Außerdem merken wir schnell, dass es für die Autosuche auch besser wäre, eben ein Auto zu haben, um zu den einzelnen Leuten fahren zu können. Also muss ein Leihwagen her. Wir finden einen Anbieter in Nazaré und kurz darauf fahren wir zu einem Händler nach Benedito, 30 km entfernt. Er hatte ein passendes Fahrzeug online eingestellt.

Das einzige Problem: er kann kein Wort Englisch. Also kommt wieder Deepl Übersetzer dran, ab und zu wird sein Schwiegersohn per Handy angerufen, der kann englisch und wir setzen Dody ein. Ein paar Stunden später sind wir stolze Besitzer eines 20 Jahre alten Ford Focus. Etwas Papierkrieg ist dabei, aber nicht viel. Einen richtigen Kaufvertrag gibt es hier nicht. Eher so eine Art Besitzerbescheinigung. Der Händler hat das von offizieller Stelle bestätigen lassen und so circa in 3 bis 4 Wochen sollen wir vom Amt dann den Fahrzeugschein per Post erhalten. Das mit dem TÜV läuft auch anders. Jedes Jahr muss das Fahrzeug hin. Wir haben Glück, unser Wagen war gerade da gewesen. Und auch die Fahrzeugsteuer ist schon für ein Jahr bezahlt. Das ist nicht besitzerbezogen, sondern fahrzeugbezogen. Soll auch nicht teuer sein, so um die 30 Euro.

Jetzt fehlt ja nur noch die Autoversicherung. Dody hat für uns in Nazaré bei ihrer Versicherung nachgefragt. Dort würde es 270 Euro im Jahr kosten. Der Händler ruft vor Ort einige Versicherungen an und findet eine, die uns für 230 Euro Teilkasko versichert. Und er fährt uns sogar hin. Mit unserem Auto, das wir zwar noch nicht bezahlt haben, aber auch noch nicht versichert ist. Hier in Portugal ist es wohl nicht unüblich, wir hätten mit dem Wagen auch nach Nazaré fahren können und dort die Versicherung abschließen können. Rote Nummern wie in Deutschland sind hier unbekannt. Nachdem diese letzte Hürde genommen ist, sind wir jetzt endgültig nach 5 Jahren mal wieder Besitzer eines Fahrzeuges.

Es ist für uns einfach einfacher. Teilweise sind die Wege hier leider etwas weiter. Dazu kommt, dass wir wohl einige Monate, wenn nicht sogar ein Jahr in Portugal bleiben. Wir wissen es einfach noch nicht. Fest steht aber, dass wir mit dem Wagen nach DE fahren werden. Wir können das Schiff etwas mehr entrümpeln und auf dem Wege zurück können wir den Wagen mit ganz vielen Köstlichkeiten beladen.

Nazaré

Nazaré

08.07.20 Nazaré

Sind wir wirklich schon 1 Woche hier? Gott, vergeht die Zeit.

Portugal Nazaré Hafen

Nazaré gefällt uns. Es ist ein kleiner, touristischer Ort, nur zurzeit ohne die Massen an ausländischen Touristen. Nazaré hat nur etwa 10000 Einwohner, kommt uns aber irgendwie größer vor. Wahrscheinlich, weil der Ort aus einer Ober- und Unterstadt besteht und so größer wirkt.

Das Erste, was uns bei der Ankunft aufgefallen ist, ist der Strand. Links und rechts von Nazaré gibt es kilometerlange, weiße Strände. Wegen der Brandung ist es nicht unbedingt ein Badeparadies aber dafür umso mehr für Wellensurfer. Vor einigen Jahren wurde hier eine Welle von sage und schreibe 30 Metern Höhe gemessen. Dabei ist Nazaré erst seit ungefähr 2010 als Surfparadies ins Gerede gekommen, als DER Surfer McNamara Nazaré besuchte. Die gewaltigen Wellen, die im Herbst bzw. Frühjahr entstehen, werden durch einen Unterwassercanyon erzeugt

Nazaré, die Unterstadt, hat eine tolle Strandpromenade. Natürlich mit vielen Souvenirshops, Bars und Restaurants. Sehr oft sehen wir ältere Frauen, die am Gehweg sitzen und ein Schild in die Höhe halten: Wohnungen zu vermieten. Und das gleich in verschiedenen Sprachen. Die vielen Seitenstraßen sind schmal und auch dort finden wir immer wieder nette Lokale und Cafés, sogenannte Pastelarien. Die gibt es wahrlich wie den Sand am Meer. Es ist schön, draußen zu sitzen, einen Milchcafé der Espresso zu schlürfen und dabei die Passanten zu beobachten. Und dazu vielleicht noch ein leckeres Vanilletörtchen? Einfach lecker und hier auch endlich mal wieder bezahlbar.  Dann natürlich die Restaurants. Wir haben Nachholbedarf und haben schon einiges ausprobiert. Preise unter 10 Euro ein Gericht und bisher was alles megalecker.

In den kleinen Seitenstraßen gibt es natürlich nicht nur Bars, sondern auch Apartments, Mietwohnungen, Ferienwohnungen. Nicht selten steht unten auf der Straße ein kleiner Grill. Wo soll der arme Portugiese auch sein Mittagessen grillen, wenn kein Balkon vorhanden ist. Und manchmal stolpert man sozusagen über ein Gestell mit Fisch, welcher zum Trocknen in der Gasse steht.

Warum haben wir eigentlich Nazaré als Anlaufhafen gewählt? Schon vor Monaten haben wir nach einem Liegeplatz für unsere Tanamera gesucht. Nicht so einfach in der Covid 19 Zeit. Die Kanaren wollten wir vorerst nicht anlaufen, uns schwebte das Festland vor. Und da dachten wir natürlich erst einmal an die Algarve. Lagos, Faro, Portimao. Alles hörte sich gut an, bis wir uns nach Marinepreisen erkundigten. Bis Oktober, also in der Hochsaison, hätten wir für unser kleines Schiffchen pro Monat 900 Euro berappen müssen!! Ja, kein Scherz. Absolut nicht tragbar und so suchten wir nach Ausweichmöglichkeiten. Wolfgang fragte im TO Forum nach, ob nicht jemand einen Geheimtipp hätte. Tja, und da kam halt Dody ins Spiel. Sie schwärmte uns von Nazaré vor. Nachdem wir dann das Angebot der Marina erhielten (430 Euro in der Hochsaison) war für uns alles klar. Gen Süden können wir immer noch.

Die ersten Tage kommen wir kaum zum Luftholen. Dody nimmt uns unter ihre Fittiche. Da sie hier schon ein paar Jahre ihr Schiff in der Werft renoviert (tongabonds.com) kennt sie sich hier aus, kann fließend Portugiesisch. Wir schauen uns als erstes natürlich die Werft an, fragen nach einem Sliptermin. Alles macht einen guten Eindruck, schnell steht fest, dass wir hier das Schiff überholen werden.

Dann kommt natürlich die obligatorische Fahrt zum Supermarkt, Bauhaus, Mediamarkt, Aldi, Lidl. Ein Schlaraffenland. Nur eben anstrengend für uns. Nach so langer Zeit der Inaktivität von 0 auf 100, das kostet Kraft, dazu die vielen neuen Eindrücke. Aber es macht Spaß. Zwischendurch wird ja auch mal eine Pause gemacht, ein Café oder ein Bier getrunken. So schaffen wir in der ersten Woche schon verdammt viel. Wir wissen, wo wir die Jotun Farbe für unser Schiff herbekommen, haben die Telefonnummer eines Segelmachers, der allerdings in Lissabon sitzt und ein paar Onlinebestellungen sind auch schon raus.

Manuelle Segelwaschanlage
Portugal Nazaré – und noch mal Strand……

Karibik – Portugal 2. Teil

Karibik – Portugal 2. Teil

Dienstag 16.06.

Etmal 97
Mittag. Hack, Dose Mischgemüse, Schafskäse, Reis

Endlich mal gutes Segeln. Sind aus der Gegenströmung raus und segeln mit 5 Knoten gen NE.

Mittwoch 17.06.

Der Wind ist total eingeschlafen. Motoren Richtung 40 Grad Nord, dort soll es ab Donnerstag Wind geben. Aber es ist etwas rollig durch Schwell.

Etmal 118
Mittag Pizza

Donnerstag 18.06.

Endlich WSW Wind. Beide Vorsegel sind ausgerollt und wir laufen um die 5 Knoten. Herrlich, endlich geht es nach Osten.
Etmal 122
Mittag: Lasagne

Freitag 19.06.

Etmal 119
Mittag: Lasagne

Samstag 20.06.

Etmal 134
Mittag: Spagetti Carbonara
Haben immer noch achterlichen Wind

Sonntag 21.06.

Etmal 133
Mittag Dose Ravioli

Es ist wieder ruppiger geworden. Laufen jetzt wieder mit 2 fach gerefftem Groß und Genua.
Was für eine mistige erste Nachthälfte. Ich hatte 25 bis max. 30 Knoten. Wir machten mal wieder Bocksprünge ohne Ende. Kein Spaß. Dann mit einem Schlag war alles vorbei. War das schon die Front?

Montag 22.06.

Ne, die Front soll wohl noch kommen. Anscheinend waren wir mal wieder in einem Trog. Jetzt haben wir gerade mal 13 Knoten und düddeln mit 4 Knoten dahin. Noch 53 Meilen bis nach Flores. Gehen südlich rum und von dort dann wieder auf Ostkurs.

wenigstens warmes Sch..wetter

Etmal 121
Mittag Frikadellen mit Erdnussosse und Bohnen

Blöd, fahren an Flores im Dunkeln vorbei

Die Front ist gegen 17.30 durch. In Sekundenschnelle hatten wir NW/N/NE Wind bis 27 Knoten. Jetzt gegen halb acht ist der Wind auf 9 Knoten runtergegangen und kommt aus NE. Wir drehen bei, da wir keine Lust haben, gen Süden zu segeln. Beim Herunternehmen vom Großsegel sehen wir einen Riss. Da haben wir ja noch Glück im Unglück gehabt. Das Beidrehen ist aber auch nicht der Hit. Die Wellen platschen gegen das Heck. Das Schiff macht unangenehme Bewegungen. Wolfgang ist kaum im Bett, geht der Wasseralarm. 4 Liter mindestens befinden sich in der Bilge. Dadurch, dass die Wellen beim Beidrehen so ans Heck klatschen, schießt Wasser durch die Öffnung der Lenzpumpe. Ok, wir hätten, damit wir beim Beidrehen mit dem Schiff im richtigen Winkel zum Wind liegen, am Heck unser Sturmsegel setzen sollen. Dazu waren wir aber zu faul, wussten ja, dass es nur für eine kurz Zeit aus der falschen Richtung blasen würde. Als der Wind plötzlich wieder aus NW kommt, setzen wir die Fock. Jetzt machen wir 2 Knoten Geschwindigkeit, toll. Morgen früh muss ich unbedingt das Groß reparieren, sonst kommen wir nirgendwohin.

Dienstag 23.06.

Etmal 91
Mittag Dose Linseneintopf

Wind kommt jetzt aus Nord. Haben heute Morgen das Groß inspiziert. Der Riss ist unter dem zweiten Reff. Wolfgang hat den Riss geklebt und danach haben wir es gesetzt. (Da wir das Segel nicht ausgerefft haben, sondern immer noch mit dem 2. Reff gesetzt haben, war das trotz Riss zum Glück noch möglich) Segeln ist etwas ruppig aber nicht schlecht.

Es sind noch 950 Meilen bis Portugal/Festland. Mit Glück sind wir am 1.7. da. Da die Wettervorhersage für die nächsten Tage sehr gut aussieht und wir kaum Diesel verbraten haben, haben wir uns entschlossen, die Azoren rechts liegen zu lassen. Wir gehen weiter Richtung Nazaré, Portugal. In Horta würden wir sowieso vorerst nur Ankern können, auch wenn es immer mehr Lockerungen gibt und es in den nächsten Tagen wohl für die Segler einen Covid Test geben soll. Danach darf man dann an Land. Positiv wird sowieso kein Test ausfallen, denn die Segler, die dort ankommen, waren eh mindestens 3 Wochen auf See.

nur eine von hunderten von portugiesischen Galeeren, an die wir vorbeisegelten

Mittwoch 24.06.

Der Wind ist total eingeschlafen. Nur der Restschwell ist leider noch da.
Etmal 111
Mittag: Bratkartoffeln

Danach Groß repariert, ausgerefft und wieder gesetzt

Donnerstag 25.06.

Gegen Mitternacht haben wir das Groß wieder geborgen, der Wind kam immer mehr von hinten. Genua gesetzt und Fock ausgebaumt. Der Wind nahm stetig zu.
Jetzt zum Morgen hin haben wir 18 Knoten und laufen 6 Knoten. Noch 750 Meilen. Hatte gestern noch Internet und habe Emails abgerufen und auch sonst mal gestöbert. Bei Facebook habe ich kurz reingeschaut. Hätte ich man lieber nicht machen sollen, denn dort berichteten 2 Yachten, dass sie einen Wal kollidiert sind. Bei einem war nichts weiter passiert, bei dem anderen kam durch einen abgebrochenen Kielbolzen Wasser ins Schiff. Puh, jetzt bin ich natürlich leicht beunruhigt. Na ja, wir segeln ja nördlich der Azoren, die Unfälle waren alle südlich von Horta. Aber trotzdem, das wäre der pure Alptraum. Dafür hatten wir wieder Delfine. Schon bestimmt zum 4. Mal.
Etmal 124
Mittag Gulasch

Freitag 26.06.

Etmal 131
Mittag Hack, Kokosnussmilch, Curry, Rosenkohl

Guter, achterlicher Wind, mehr als Chris erwartet hat. Bis 20 kn, aber dadurch kommen wir sehr gut voran.

sieht zum Glück nur bedrohlich aus

Sonntag 28.06.

In der Nacht hatten wir relativ guten Wind, aber böig. Mal 10 kn mal 15 kn.


Etmal 104 sm
Mittag Kartoffelstampf mit Spiegelei

Montag 29.06.

Etmal 129
Mittag: tja, hab ich vergessen, aufzuschreiben
Nacht guter Wind um die 17 kn. Wenn es so bleibt, schaffen wir es noch am Mittwochnachmittag anzukommen. Der Wind schralt jetzt allerdings. Teilweise kommt er aus N, dann wieder NNE. Laufen hoch am Wind, das nervt etwas.


Dienstag 30.06.

Etmal 132
Mittag. Erdnusshack mit Nudeln

Samstag 27.06.

Etmal 123
Mittag Pizza

Wind hat leider nachgelassen, nur noch 10 Knoten. Laufen jetzt 3 Knoten.

Das Unterliek der Genua musste „notfixiert“ werden
In der Nähe der Küste vermehrt sich jetzt der Schiffsverkehr
Portugal-Nazaré – endlich!

Mittwoch 01.07.20 Nazaré Portugal

Den ganzen Tag motoren wir, ich will auf jeden Fall heute noch ankommen. Und es klappt. Eine Stunde vor Büroschluss sind wir im Hafen. Dody steht schon an der Mole, winkt  uns zu und die Marina ruft uns auf VHF und weißt uns einen Liegeplatz zu. Dody steht kurze Zeit später vor uns. Wir verstehen uns auf Anhieb. 2 große Einkaufstaschen mit frischen Sachen hat sie für uns zur Begrüßung besorgt. Echt rührend.  Kennengelernt haben wir uns durch das Trans Ocean e.V. Forum. Dort hatte sie uns viele Fragen bezüglich Nazaré, Marina und Werft beantwortet. Aufgeklart wird das Schiff heute nicht mehr – wir trinken Sekt und später am Abend mache ich  noch ein kleines Omelett mit etwas Salat und so lassen wir den Tag wunderschön ausklingen.

Dody – ein toller Empfang in Nazaré. Dankeschön

Das einklarieren war hier übrigens total easy. Eigentlich war es gar nicht vorhanden. Wir haben nur bei der Marina eingecheckt, das war´s. Keine Quarantäne, nichts. Offiziell sind die Grenzen aber auch genau ab heute offen.

4,5 Wochen waren wir unterwegs. 3700 Seemeilen haben geschafft. 5 Tage davon sind wir motort bzw. sind motorgesegelt (Segel oben zur Unterstützung + Motor) Unsere Dieseltanks sind immer noch halb voll und die Kanister an Deck brauchten wir auch nicht. Eigentlich kein schlechter Durchschnitt. Gut, wir haben auf Grund der langen Strecke auch mit dem Motoren geknausert, hatten dadurch natürlich auch die „Rekordetmale“ von 85 Seemeilen. Die meiste Zeit mussten wir mit halben Wind bzw. hoch am Wind segeln. Nur für einige kurze Tage hatten wir mal den richtigen Passatwind von hinten. Ach ja, nur eine Minifront passierte uns. Die beiden Tröge mit den 30 Knoten, die vergessen wir lieber. Alles in allem wirklich kein soooo schlechter Trip. Da sieht man mal wieder, wie schnell das „Segelalzheimer Syndrom“ greift. Wie oft ich in den Notizen „alles Sch..“ geschrieben habe – das ist jetzt alles wieder vergessen.

Chaos, aber aufgeräumt wird später
Unsere Routen der letzten 5 Jahre, die Schlangenlinie Richtung Portugal ist von diesem Jahr
Karibik – Portugal 1. Teil

Karibik – Portugal 1. Teil

29.05.20 Freitag,  St. Martin, Karibik – Portugal

Ich mach es mir diesmal etwas einfach. Unterwegs habe ich täglich Notizen über die Fahrt gemacht, etwas überarbeitet kommen diese Notizen jetzt in den Blog.

8.00: ich bin schon länger wach. Hab schlecht geschlafen. Einmal, weil die Vorschiffsluke durch das auf dem Vorschiff verstaute Dingi nicht auf sein konnte. Der Lüfter lief auf Hochtouren, verwirbelte aber nur warme Luft.

Um 9.00 lichten wir den Anker  und ab geht es Richtung Azoren.
Wir motoren nicht lange, dann kommt etwas Wind auf. So um die 10 bis 12 Knoten. Wir laufen relativ hoch am Wind, um die 50 Grad. Fast direkt auf die Azoren zu. Aber das wird sich noch ändern, wenn der Wind wieder mehr auf Ost dreht.

Es ist sauheiß (gute 30°). Ich hab mir ein nasses Handtuch um den Hals gelegt, das kühlt etwas. Über das Cockpit haben wir provisorisch einen Sonnenschutz befestigt. Sonst wäre es überhaupt nicht auszuhalten.  Die nächsten Tage werden noch lustig werden, auch drinnen beim Schlafen. Zwei andere Segler sind heute auch los. Einer hat uns schon überholt. Sonst ist nicht viel los. Zum Abschied von St. Martin begleiteten uns Delfine.
Zu Mittag gab es Frikadellen und Karotten.

30.05. Samstag

Die Nacht war wenigstens kühl. Chris (Chris Parker www.mwxc.com)  hat gestern Abend gesagt (Wetter erhalten wir einmal täglich via SSB), dass wir uns nördlicher halten sollen und versuchen sollen, bis Dienstag 27 Grad zu erreichen. Das halten wir für nicht durchführbar. Jetzt schon Diesel zu verbraten und dann noch nicht mal sicher zu sein, für wie lange wir da oben Wind haben?
Meist laufen wir um die 4 Knoten. Heute Morgen haben wir den Blister gesetzt. Der Wind kommt dafür eigentlich etwas zu sehr von der Seite, raumer Wind wäre erheblich schöner, aber wir kommen jetzt etwas schneller voran. Hinter uns segelt Gerry, ein Englischer Einhandsegler (im wahrsten Sinne des Wortes. Hab später über seine Ankunft in England gelesen. Einarmig über den Atlantik. Respekt.). Heute sollen wir eigentlich noch gute 15 Knoten Wind bekommen. Mal sehen, wann und ob wir den bekommen.
Tja, bis jetzt hatten wir die 15 Knoten für eine Sekunde. Meist haben wir um die 10 Knoten. Der Blister ist auch wieder unten. Segeln unter Genua und Groß mit halbem Wind.
Zu Mittag gab es Frikadellen und Karotten.

Sonntag 31.05.

Vor uns ist jetzt gerade eine Dunkle Wolkenwand, die aber vorbeizieht. Allerdings dümpeln wir gerade mit 2,8 Knoten vor uns hin. Kommen schon in einen Geschwindigkeitsrausch wenn die Logge mal 3,5 kn zeigt.
Etmal: 89 Meilen
Mittag: Avocado Spagetti
20.00: haben seit ein paar Stunden 11 bis 12 Knoten Wind und laufen um die 4,5 Knoten. das kann so bleiben. Zum Abendbrot hat Wolfgang überbackenes Brot gemacht. War lecker.

Montag 01.06.

Seit gestern spätnachmittag läuft es gut. Wir haben Wind aus SE, ca. 11 Knoten. Teilweise laufen wir sogar 4,5 Knoten. Jetzt gerade gegen 10°° haben wir wieder den Blister gesetzt. Der Wind kommt etwas mehr aus SE-SSE. Der Wind hat leicht abgenommen, bzw. ist leicht böig. Aber wir kommen einigermaßen voran. Pro Tag schaffen wir im Durchschnitt bis jetzt 100 Meilen. Also müssten wir in 20 Tagen auf den Azoren ankommen.
11.20. Das war´s mit dem Blister. In Sekundenschnelle hatten wir 17 Knoten Wind und es machte ratsch. So ein Schrott. Wahrscheinlich hätten wir schneller reagieren sollen, oder auch den Blister flattern lassen, doch in dem Moment sahen wir nur fasziniert auf die Windanzeige.  Aber hinterher ist man immer klüger. Auch jetzt weht es zwischen 12 und 18 Knoten. Der Wind ist immer noch sehr unbeständig.
Etmal: 100 sm
Mittag: Bratkartoffeln
Vorsegel ausgebaumt, Groß geborgen. Scheuerstellen am oberen Ende entdeckt. Müssen geklebt werden. Laufen jetzt auch nur gerade mal 2,7 Knoten bei 8,7 Knoten Wind.
Zum Abendbrot überbackenes Brot

Dienstag 02.06.

01.20 Segel weggenommen und Motor angeschmissen. Lt. Chris sollen wir erst morgen Abend wieder Wind bekommen.
Kaum Wind. Haben das Groß wieder gesetzt aber es hilft kaum. Kurs auf 60 Grad geändert. Wolfgang hat ausgerechnet, dass wir ansonsten zu schnell auf 27 Grad landen und dort soll Anfang nächster Woche eine starke Front vorbeiziehen.
Etmal: 88,6
Mittag: Frikadellen mit Klößen, Soße und Karotten

Mittwoch 03.06.

Hatte eine Scheißnacht. Meine Seite tut höllisch weh (hab mir mal wieder eine Prellung eingefangen, keine Ahnung, wie ich das immer schaffe), der Wind ist weg, motoren tun wir auch nur mit 3 bis 3,5 kn. Haben Gegenströmung mit gut einem Knoten. Das ist schon sehr frustrierend.

Chris hat uns bis Donnerstag keinen Wind versprochen und nun? Wir haben bis 20 kn NE Wind!! Jetzt haben wir die Fock gerefft und das Groß 1 x gerefft.
Laufen fleißig gen Norden obwohl wir so wie ich das verstanden habe nicht vor Mittwoch auf 27 Grad sein sollen wegen einer heftigen Front.
Mittag: fällt aus. Wolfgang macht gerade eine Scheibe Brot.

Scheißwetter. Umgeben von Squalls. Verbindung zu Chris war mies. Sollen weiter gen Norden. Wind schläft teilweise ein. Konfuse See.

Wind ist wieder da und Squalls, Wetterleuchten und Gewitter. Wir konnten uns bisher drum herummogeln. Schnell sind wir durch die gerefften Segel auch nicht.

St Martin – Portugal


Donnerstag 4.06.

Die zweite Nachthälfte verläuft etwas besser. Jetzt laufen wir ca. 4 Knoten Richtung 20 Grad. Mal mehr, mal weniger. Aber Lust zum Segeln habe ich nicht. Am Ankerplatz schmiede ich immer Pläne, aber da vergesse ich dann dabei, wie wenig ich das segeln (Langstrecken) eigentlich selbst mag.
Etmal 83,7 sm
Mittag: Spagetti, Salatgurken musste ich entsorgen, waren bitter
Läuft zu Zeit ganz gut. Laufen um die 4 bis 4,5. Wollen hoffen, dass es noch so bleibt.

Freitag 05.06.

12.00 Etmal 87,5
Mittag: Chili mit Reis

Gott, ist das zäh. Etmale um die 85 Meilen und es sind noch 1830 Meilen auf direktem Weg zu den Azoren. Machen jetzt gerade mal 3 Knoten. Wenigstens ist die See ruhig und die angekündigte Front soll wohl erst Montag kommen. Morgen soll es wohl kaum Wind geben und dann endlich mal Südwind.

06.06. Samstag

Der Wind ist gerade wieder eingeschlafen. 8 Knoten noch. Motoren jetzt gen Osten. Dann, bei 11 Knoten Wind segeln wir wieder.


Sonntag 07.06.


Etmal: 95,8 sm
Mittag: Kartoffelstampf mit Spiegelei

Wind kommt jetzt aus Süd mit 12 bis 15 Knoten. Laufen gen Osten mit 4 bis 5 Knoten.

Gerade hatten wir über Schiffsbegegnungen und deren Wahrscheinlichkeit  hier mitten auf dem Atlantik gesprochen, da poppt doch plötzlich ein AIS Signal nördlich von uns auf und im gleichen Augenblick sehe ich ein weißes Segel, 4 sm entfernt.

Atlantik -St Martin – Portugal


Montag 08.06.

Etmal 107,5
Mittag: Reis mit Hack und prov. Gemüse.

Läuft ganz gut. Segeln immer noch gen Osten.

Dienstag 09.06.

Wie Chris vorhergesagt hatte blies es ganz gut über Nacht. Wir hatten bis 21 Knoten. Liefen um die 6,5 Knoten. Heute Morgen kamen dann Squalls. Darin war nicht allzu viel Wind, aber die Squalls haben alles platt gemacht, dümpelten vor uns hin, da der Wind erst gedreht hat und zum Schluss ganz eingeschlafen ist. Der Spuk dauert ungefähr eine Stunde, dann bekommen wir wieder Segelwind.


Etmal 110
Mittag: Clamchowder

Der Wind frischt langsam wieder auf. Haben das Groß 2x gerefft und die Fock stark eingerollt.
Wie Chris uns schon vorgewarnt hat, wird es arg ruppig. 25 Knoten in Böen 31 Knoten. Man kann schon nicht mehr von vereinzelten Squalls reden, es ist eine endlose Kette, eine Dauerbeschallung sozusagen. Normalerweise würden wir beidrehen, aber wir müssen Ost machen. Außerdem würden wir, wenn wir beidrehen, gen Norden driften und da sind die Bedingungen im Trog noch ärger.
Gegen Mitternacht taucht hinter uns ein Licht auf. Ein Frachter? Nein, ein Segler und bald darauf sehen wir einen zweiten Segler, beides Franzosen. Die segeln beide um die 70 Grad wir sind auf 50 abgefallen, damit das Schiff ruhiger in den Wellen läuft.

Mittwoch 10.06.

Auch Wolfgang hat die Nase voll. Es reicht langsam. Wir sagen uns immer: irgendwann muss es doch vorbei sein.
Seit Stunden regnet es in Strömen und der Wind pfeift. Das Seerelingskleid  hat sich auf der Backbordseite durch eine Welle losgerissen. Wolfgang zurrt es erst einmal provisorisch an der Reling fest.
Wolfgang meint, dass wir so viel Wind haben ist kein Wunder, denn jeder unserer Freunde hat uns auf meine letzte Mail Wind gewünscht. Kumuliert haben wir jetzt den Salat.

Etmal 141

Der Wind hat wieder zugenommen. 30 Knoten. Normal ist das nicht mehr. Mussten das Groß runternehmen. Ein kleines Stück Naht ist aufgegangen. Zum Glück habe ich das rechtzeitig gesehen. Fragt sich nur, wann ich das bei dem Scheißwetter nähen soll. Laufen jetzt nur mit kleiner Fock.
Wind lässt nach dem Mittag nach. Jetzt haben wir eine elendige Schaukelei. Meine Mittagsstunde fällt kurz aus. Dafür gehe ich nach vorne und repariere das Groß. Auch eine Herausforderung. Aber es klappt. Nach zwei Stunden steht das Groß wieder und wir laufen etwas besser.

Ich muss nicht noch erwähnen, dass das Leben an Bord bei den Bedingungen (konstante Schräglage um die 20 °) nicht gerade angenehm ist. Das andauernde Abstützen ermüdet. Seit Tagen gibt es nur eine Katzenwäsche. Sobald es mal nicht ganz so schaukelt brauchen wir unbedingt eine Dusche und auch Haare waschen wäre mal wieder schön. Im Boot selbst sieht es langsam auch wie auf einem Schlachtfeld aus. Und wo kommt eigentlich der ganze Staub her?


Jetzt hat sich nördlich von uns eine große Gewitterzelle gebildet, die den Wind durcheinander bringt. 11 Knoten, wir dümpeln mehr als das wir vorankommen. Schließlich mache ich den Motor an schon alleine um den Gewitterzellen, die uns von hinten doch etwas auf die Pelle rücken, davonzulaufen. Es ist wie auf einer Perlenschnur, eine nach der anderen zieht hinter uns vorbei. Zum Glück hinter uns. Es rummelt ganz gut und einmal krachte es hinter uns so laut, das wir beide zusammenzuckten.
Ein Segler ist hinter uns aufgetaucht. Das ist jetzt der 4. mitten auf dem Atlantik.

Donnerstag 11.06.

Was für ein Scheiß. Immer noch Squalls. Die Windanzeige hüpft von 20 kn auf 30 kn in Sekunden und wenn ich mich nicht arg verguckt habe, hatte ich einmal um die 40. Heute Morgen sollen wir aber endlich aus diesem Trog raus sein. Hoffentlich hat Chris diesmal Recht.
Es bläst weiter. Jetzt hat es sich auf 27 bis 31 eingependelt. Im Osten sehe ich eine echt komische Wolkenwand, die sich von Süd nach Ost erstreckt. Hoch aufgetürmt, wie eine dicke Wand. Sieht irgendwie schön aber auch beängstigend aus. Vorsichtshalber nehmen wir das Groß runter. In der Wolkenwand ist zum Glück aber nur Regen.
Jetzt, um 9.30, ist der Wind endlich runtergegangen auf etwa 16 kn. Das Groß ist wieder oben, die Fock ausgerollt. Wenn es so bleibt, reffen wir auch das Groß noch komplett aus.

Etmal 110

Es regnet, seit über zwei Stunden!

Mittag: Spagetti
Sollte es auflockern? Voraus sieht es heller aus

Freitag 12.06.

Seit gestern haben wir Wind um 15-18 Knoten. Segeln immer noch hoch am Wind, kommen aber recht gut voran. Segeln jetzt um die 40 Grad. Lt. Chris sollen wir auf 40 Grad Nord hoch, damit wir SW Wind kriegen. Laut meiner Hochrechnung brauchen wir jetzt bestimmt 4 Wochen!

Etmal 108
Mittag: Kassler u. Bohnen

Haben alles ausgerefft. Laufen 4 Knoten. 35 Grad

Samstag 13.06.

Etmal 101
Mittag Pizza

Läuft ganz gut. Geht jetzt vorwiegend nach Norden mit 4 Knoten. In der Nacht hatten wir einige Squalls, aber nicht über 20 kn.

Sonntag 14.06.

Bootskoller. Ich mag und will nicht mehr. Langstrecken sind für mich vorbei. Wenn ich bedenke, dass wir noch mindestens zwei Wochen vor uns haben und dann noch einmal ne Woche zum Festland. Nein, wo ist der nächste Frachter, ich streck schon mal den Daumen raus.

St Martin – Portugal

Jetzt dödeln wir gen NNW. Habe gestern Abend gesehen, dass wir in 4 Tagen in Neufundland wären, das ist um die Hälfte dichter als zu den Azoren. Mist auch, dass Kanada die Grenzen nicht auf hat.
Stimmung mies. Wetter auch.

Etmal 107
Mittag Bratkartoffeln

Montag 15.06.
Was für eine bumpige Nacht. Die Wellen waren kurz und ekelig. Dadurch habe ich schlecht geschlafen und bin verspannt und habe leichte Kopfschmerzen.

Mittag Gulasch Knödel u. Bohnen
Etmal 98
Der Wind hat jetzt auf Ost gedreht und wir laufen jetzt 30 Grad. Haben nur leider mal wieder Strömung gegen uns.


Segelreparatur die 2.
Segelreparatur die 2.
Gut, dass wir eine Anleitung für die Bootsmannsnaht dabeihaben
der Flicken ist doch kaum zu sehen, oder?
Statistik

Statistik

Oh Mann, ich mag nicht mehr. Noch 2,5 Tage. Ich zähle die Minuten. So eine Quarantänezeit kann ganz schön lang werden, besonders, da wir uns ja auch auf Martinique nicht gerade viel bewegt haben.

Die ersten Tage hier vor Anker verbrachten wir bzw. Wolfgang mit Fehlersuche und Reparaturen. Wie gut, dass wir erst einen Probeschlag gen Norden gemacht haben und nicht gleich von Martinique aus Richtung Azoren aufgebrochen sind. Als erstes wurde die Handpumpe von der Toilette repariert, das war einfach wenn auch nicht gerade geruchsneutral. Hier musste nur die Membrane ausgewechselt werden.

Der Autopilot war schon suchintensiver. Alle Verbindungen wurden geprüft, schaltet das Relais, wo ist eine Unterbrechung usw. Aber dann kam auch Wolfgang nicht mehr so recht weiter und am Montag rief er den Händler in Deutschland an. 10 Minuten später lief der Autopilot wieder. Die Software hatte sich aufgehängt. Das war´s.

Jetzt ist Wolfgang gerade dabei, einen Fehler bei der elektrischen Fäkalpumpe zu finden. Wieder so ein Stinkejob. Sie pumpt, aber lässt nichts durch. Eventuell zieht sie Luft? Oder ist irgendwo verstopft?  Da Wolfgang bei uns an Bord mein Reparaturheld ist, habe ich Hoffnung, dass er auch diesen Fehler finden wird.

Sonst gibt es nichts Neues. Essen, lesen, schlafen, Muskelschwund. Es ist auch noch heiß geworden. Bei 30 Grad im Schiff vergeht einfach die Lust, Gymnastik zu machen.

Ich habe derweil unser Logbuch in eine Exeltabelle übertragen. Als Ergebnis kann ich jetzt, weil es ja nicht viel anderes zu berichten gibt, mal mit ein paar statistischen Daten aufwarten:

Vom 15.06.15 bis zum 16.05.20 sind wir nun unterwegs = 1797 Tage

Davon waren wir 1550 Tage in Marinas/Werften/vor Anker und nur 247 Tage auf See

Von den 1550 Tagen waren wir 155 Tage in einer Werft (2x USA, 1 X Teneriffa)

                                                 244 Tage in einer Marina

                                                 25 Tage an einer Mooring

                                                   1370 Tage vor Anker

Wir besuchten 21 Länder und ca.  326 Orte/Ankerplätze

19060 sm sind wir bisher gesegelt und leider 11091 sm motort. Die meisten Meilen unter Motor haben wir an der Ostküste USA zusammenbekommen. Auch bei den Fahrten zwischen USA und Karibik sind wir oft motort. Ganz zu schweigen von den 900 Meilen von den Azoren Richtung Teneriffa vor zwei Jahren. Na ja, das alles hat sich halt zusammengeläppert. Wir merken, dass das Schiff schwer ist und erst bei 12 Knoten in Fahrt kommt. Bei  Wind von hinten brauchen wir sogar mindestens 16 Knoten. Natürlich könnten wir immer solange warten, bis der richtige Wind bläst, wenigstens auf den kürzeren Strecken. Aber Geduld ist etwas, das nicht in meine Wiege gelegt wurde. Ankommen ist doch immer noch am Schönsten.

St. Martin
Ende gut, alles gut 😃

Ende gut, alles gut 😃

Mit einem Mal ging alles ganz schnell. Letzten Sonntag bekamen wir von unserem Freund Rene die Frachtpapiere unserer Pakete zugeschickt. Im nullkommanichts wurde das auch gleich weiter an die Immigration St. Martin geschickt. Und – am Montag hatten wir endlich unsere Erlaubnis nach St. Martin einzureisen.

Ich hätte am liebsten einen Freudensprung gemacht. Ging aber nicht, unsere Decke ist leider zu niedrig. Aber einen riesen virtuellen Sprung, den haben wir beiden gemacht.

Dienstagabend wurde Abschied gefeiert. Joe, Katja und Ansgar kamen zu uns. Nein, nicht an Bord, aber wir saßen jeder gemütlich im eigenen Dingi, bzw. Joe auf seinem Stand Up Paddleboard. Auch auf Snacks wurde verzichtet, aber das Bier floss in Strömen.

Wolfgang klariert am Mittwoch aus. Obwohl Snack Bou Bou seit drei Wochen geschlossen hat, öffnet er extra für uns Segler zum Ein- und Ausklarieren 3 x wöchentlich für ein paar Stunden seinen Laden. Ein wirklich toller Service. Frische Sachen werden noch gebunkert, dann wird das Dingi auf dem Vorschiff festgezurrt. Für uns eine Premiere mit dem neuen Dingi. Mal sehen, wie es sich bewährt. Kurz bekommen wir Besuch von einem dänischen Paar. Sie fallen aus allen Wolken, als wir ihnen erzählen, dass wir nach St. Martin segeln. Sie hatten es vor ein paar Tagen auch versucht und wen verwundert es – eine Absage erhalten.

Karibik Martinique Ankerkette nach nur 3 Wochen im Wasser

Tja und Donnerstag gegen 9°° ging es los. Wir können es kaum glauben. Nach 4,5 Monaten am gleichen Platz bewegen wir uns – mit dem Schiff. Laut Wetterbericht sollte es um die 20 bis 25 Knoten blasen. Also zwischen den Inseln etwa 30 Knoten durch den Düseneffekt. Aber der Wind war uns gnädig. Er wehte genau in der richtigen Stärke aus der richtigen Richtung. Ok, zwei Reffs hatten wir vorsichtshalber ins Groß gebunden. War manchmal auch ganz gut so. Und die Tanamera zischte ab. Als wenn ein Hund von der Leine gelassen wird. Erst zögerlich, dann immer schneller. Teilweise liefen wir 6 bis sogar einmal kurzzeitig 8 Knoten. Herrlich. Auch der Motor wurde nur ab und zu zur Hilfe genommen. Obwohl wir recht viel Abstand zu den einzelnen Inseln hielten, kamen wir dennoch in deren Windschatten. Aber es war immer nur kurzzeitig, die meiste Zeit konnten wir herrlich segeln.

Was auch gut war, denn schon kurze Zeit nach unserem Start stellten wir fest: der elektrische Autopilot geht nicht. Noch einen Abend vorher hatte Wolfgang ihn auf dem Ankerplatz getestet. Da war alles gut. Immer wieder probieren wir, ihn anzustellen. Nein, er verweigert einfach seinen Dienst, nicht mal ne Fehlermeldung spuckt er aus. Nicht auszudenken, wenn wir von Martinique aus Richtung Azoren gestartet wären. Klar, wir hätten die Aries Windsteueranlage nutzen können, aber unter Motor hätten wir per Hand steuern müssen. Und DAS wollen wir ganz bestimmt nicht. Es hat uns schon so gereicht. Nun gut, in St. Martin haben wir ja eh 14 Tage Quarantäne und Wolfgang soll ja auch keine Langeweile bekommen.

Die zweite Baustelle ließ nicht lange auf sich warten: Die Fäkalhandpumpe fing an zu lecken. So ein Schiet aber auch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nur sehr vorsichtig wurde gepumpt, sie sollte schließlich bis zum Ankerplatz durchhalten. So etwas auf einem schaukelndem Schiff auseinander zu nehmen ist kein Spaß, na ja, ehrlich gesagt, ist es anders auch kein Spaß, aber wenigstens ruhiger.

Am Samstag erreichten wir schließlich St. Martin. Übrigens haben wir während der 2 Tage dauernden Fahrt keinen einzigen Segler gesehen. Die Karibik war absolut leergefegt. So haben wir sie noch nie erlebt. Dafür ist der Ankerplatz in Marigot noch recht voll. Aber wir denken, dass in den nächsten Tagen doch einige Segler Richtung Heimat aufbrechen werden und sich der Platz etwas lichten wird. Während Wolfgang die Fäkalpumpe auseinander nimmt, nehme ich Kontakt zu Valerie von Island Water World auf. Da wir nicht an Land dürfen, wird die Einklarierung unkompliziert per Email erledigt. Die Ausklarierung von Martinique, Schiffspapiere, sowie die Pässe werden fotografiert und per Mail an Valerie geschickt. Und kurze Zeit später erhalten wir die Einklarierung. Herrlich unbürokratisch, da sollte sich so manch eine Karibikinsel mal ein Beispiel dran nehmen.

Beamtenwillkür??

Beamtenwillkür??

So kann man das nur nennen. Bisher haben wir alles ohne Murren und Klagen hinter uns gebracht, die Regeln strikt eingehalten. Doch jetzt reicht es! Aber ich fange mal von vorne an.

Vor ein paar Tagen hat ein bekanntes, deutsches Schiff, nach der Genehmigung gefragt, St. Martin anlaufen zu dürfen. Alles klappte flott, der zuständige Beamte auf St. Martin antwortete denen sogar auf Deutsch und letzten Sonntag sind sie dort eingetroffen.

Heute habe ich das GLEICHE gemacht. Also einmal Crossag, Fort de France, sowie den zuständigen Beamten  in St. Martin angeschrieben. Unsere Personalien, Schiffsdaten und den Grund, warum wir nach St. Martin wollen, angegeben. Als Grund haben wir Ersatzteilbeschaffung und das Schiff für die Atlantiküberquerung vorzubereiten, aufgeführt. Genau das Gleiche haben unsere Bekannten auch angegeben. Nur: kurze Zeit später kommt die Antwort von der Immigration St. Martin (auf Englisch): nein, wir dürfen nicht, nur bei besonderen Gründen und Teile beschaffen gehört nicht dazu. Da die Läden auf Martinique und hier in Le Marin auf sind, können wir das ebenso gut hier erledigen. Wir fassen es nicht.

Jetzt entwickelt sich ein reger Schriftverkehr. Wir erwähnen jetzt doch die Pakete, die  auf St. Martin auf uns warten. Welche Pakete, Nachweis bitte. Gut, wir schicken die Rechnung. Antwort: das betrifft aber die USA. Wir: stimmt, aber die Lieferadresse ist eine Cargo Ship Adresse, von dort wird es weitergeleitet. Antwort: bitte Beweis schicken, wo bzw. bei wem das Paket liegt. Was muss er für schlechte Erfahrungen mit Seglern gemacht haben, dass er diese ganzen Nachweise anfordert. Oder hatte er vielleicht nur ein verdammt schlechtes Wochenende? Oder lässt er nur ein deutsches Schiff pro Woche nach St. Martin? Jetzt sind wir dabei, unseren Freund, bei dem die Pakete sind, zu erreichen. Kein einfaches Unterfangen, denn er ist ziemlich im Stress. Unsere Abfahrt für diese Woche haben wir uns aber schon einmal abgeschminkt.

Ach ja, eine Sache ist vielleicht noch erwähnenswert. Als Antwort haben wir auch bekommen, dass wir doch zum Ende der Ausgangssperre  nach St. Martin kommen könnten. Wo ist denn da die Logik? Wenn wir vorher dort ankommen, sind wir eh zwei Wochen in Quarantäne und genau das Gleiche passiert auch, wenn wir nach dem 11.05. dort eintreffen. Nur, dass sich bei uns alles noch weiter nach hinten verzögert.  Außerdem wollten wir gerade das vermeiden. Alle dürfen dann endlich ohne Zettel an Land, nur wir dürfen noch 2 Wochen an Bord hocken. Zurzeit ist die Stimmung, wenigstens bei mir auf dem absoluten Tiefpunkt.

Lockdown, Curfew, Ausgangssperre, Sperrstunde

Lockdown, Curfew, Ausgangssperre, Sperrstunde

Seit Wochen werden wir damit konfrontiert. Zu Anfang war die Unsicherheit groß. Keiner wusste, was auf einen zukommen würde. Aber langsam sind wir in eine Quarantänenormalität hineingerutscht.

Mittlerweile haben wir Woche 6 erreicht und geraten in Gefahr, zu „verloddern“. Ein Gutes hat es, wir können kaum Geld ausgeben. Auch die Anhäufung von Schmutzwäsche hält sich in Grenzen, man braucht nicht viel, wenn man sozusagen an Bord gefangen ist und nur ab und an zu Land fährt. Aber wir vermissen den sozialen Kontakt. Nur ab und zu vom Dingi aus mit Seglern zu sprechen, ist auf Dauer einfach zu wenig. Dazu kommt natürlich auch die Einschränkung der Bewegung. Von Bord aus schwimmen, für einige ist das ein Traum. Ich bin jetzt nicht die Wasserratte, ich bin eher ein Läufer/Geher. Und da schaue ich dann doch mit etwas Neid auf unsere Freunde in Deutschland, die wenigstens in den Wäldern ohne Zeitlimit spazieren gehen können.

Die Auflagen haben sich während der letzten Wochen ab und an geändert. Gelockert wurde nichts, eher wurden die Auflagen verschärft. Sperrstunde zwischen 20°° und 5 Uhr, kein Segeln zwischen den Ankerplätzen. Das Schiff hat zu bleiben, wo es ist. Seit gestern wurde auch noch einmal darauf hingewiesen, dass jeglicher Wassersport außer kleine Runden ums Boot schwimmen untersagt ist. Wir brauchen nicht erwähnen, dass natürlich alle Bekanntmachungen auf Französisch geschrieben sind. Dies kommt für uns als „französischresitente“ Segler erschwerend hinzu.

Diese Veröffentlichungen werden auch auf der Facebookseite der Gruppe Martinique Cruisers Information gepostet – und wenigstens zum größten Teil von Seglern ins Englische übersetzt. Von dort holen wir uns viele Informationen und auch von einem sehr rührigen Seglernetz auf VHF (mobiler Seefunkdienst auf UKW). 3 x die Woche findet dieses Netz um 8.30 auf Kanal 8 statt. Dieses Netz wird zweisprachig geführt. Es ist für uns die Quelle an Informationen überhaupt. Welche Regelungen sind neu, was bedeuten sie für uns, man kann bei Problemen an Bord um Hilfe bitten. Solche Netze auf VHF Radio gibt es an vielen Orten, an denen sich besonders viele Segler tummeln. Meist dauern sie um die 30 Minuten. Hier hatten wir den absoluten Rekord von 2 Stunden! Gerade am Anfang der ganzen Restriktionen tauchten immer wieder Fragen auf. Jetzt hat sich das wieder auf ein Normalmaß reduziert.

2 dieser am Netz beteiligten Segler wohnen in Le Marin und haben Kontakte zu den Behörden. Durch sie wurde zum Beispiel das Wasserproblem hier auf dem Ankerplatz in St. Anne gelöst. Viele Schiffe haben keinen Wassermacher an Bord und müssen entweder an Land per Kanister Wasser besorgen (war in St. Anne nicht möglich) oder aber mit dem Schiff in die Marina nach Le Marin fahren um dort aufzutanken. Vor zwei Wochen wurde nun extra für uns eine Wasserleitung zum Dingidock gelegt. Das finden wir schon eine tolle Geste.

Das VHF Radio dient als Notrufsender,  für Schiff-Schiff Verkehr, Wetterberichte und nautische Warnnachrichten,  bzw. Schiffsrelevante Nachrichten. In den letzten Wochen hat sich das etwas geändert. So gibt es jetzt hier auf St. Anne sonntags einen Gottesdienst, welcher von Seglern organisiert wird. Auf anderen Ankerplätzen gibt es eine „Happy Hour“ mit Social Live und Gewinnspielen, welche über Facebook und YouTube organisiert wird. Und manchmal hören wir von anderen Schiffen Livemusik zu uns hinüberschallen. Man wird hier sehr erfinderisch und versucht, die Wartezeit so gut es geht, zu überbrücken.

Willkommen auf unserer neuen Webseite

Willkommen auf unserer neuen Webseite

Bei Jimdo (https://sytanamera.jimdofree.com/) waren wir bisher ganz zufrieden, nur leider haben wir dort das Datenlimit erreicht. Wie gut, dass wir gerade auf Martinique sind, Ausgangssperre haben, gutes Internet haben und na ja, sonst nicht viel machen können. Da bot es sich geradezu an, sich mit einer neuen Webseite zu beschäftigen. Es hat einige graue Haare gekostet und ich bin auch immer noch in der Übungsphase und taste mich langsam an diesen komplexen Aufbau bei WordPress heran. Ein ganz dickes Dankeschön geht auch an Anne Hansen, die mir ganz viele wertvolle Tipps und Anleitungen gegeben hat. Falls jemand mal Bedarf an einem Onlinekurs hat: www.frauhdesign.de. Ihre Kurse sind sehr zu empfehlen.